Einführung
Vögel zu beobachten ist eine schöne und entspannende Sache. Doch, wenn die gefiederten Freunde mal ausbleiben, bedeutet es dann, dass nichts mehr von ihnen zu sehen gibt? Natürlich nicht! Jedes Lebewesen hinterlässt während seines emsigen Tagesgeschäfts oder seines Jahres- bzw. Lebenszyklus irgendeine Art von „Fußspur“, sowohl wörtlich als auch sinngemäß. Wer also mehr als nur die umherfliegenden Juwelen sehen möchte, sollte daher nach diesen Spuren Ausschau halten.

Doch welche Zeichen und Spuren von Vögeln kann man in der Natur finden? Eine einfach klingende Frage, die als erstes eine weitere Frage aufwirft: Was ist mit Zeichen gemeint? Nun, damit sind generell alle Dinge gemeint, die von Vögeln stammen bzw. erzeugt oder hinterlassen werden.
Den allermeisten wird natürlich als erstes Federn, Fußspuren, Kot und der (lebendige oder tote) Vogel an sich einfallen. Das sind auch die prägnantesten und häufigsten Zeichen. (Wobei man Letzteres nicht wirklich als Zeichen zählt, da es ja der Vogel selbst ist.) Doch mit längerem Überlegen und auch Nachforschen kann man noch mehr zum Vorschein bringen und die Liste um einiges verlängern. Wer zum Beispiel an den normalen Jahreszeitenverlauf denkt, dem fällt vermutlich schnell brütende Vogeleltern und Küken ein, die Nester und Eierschalen hinterlassen. Da manche Vogelarten statt Nester anzulegen, Höhlen bauen, zählen diese natürlich mit zur Kategorie Brutplatz.



Wo gefressen und gefüttert wird, braucht es auch Nahrung. Die zurückgelassenen Reste davon lassen sich in jedem Lebensraum finden. Doch nun sind wir an einem Punkt angelangt, wo man ohne Vorwissen, diese Reste kaum als Spuren von Vögeln erkennen würde. Oder würdet ihr eine auf einem Dorn aufgespießte Maus oder Zauneidechse als Zeichen eines Vogels erkennen? Da muss man schon wissen, dass Vögel aus der Familie der Würger die Verursacher davon sind. Bei aufgedröselten Fichten- oder Kiefernzapfen kommt man da schon eher auf den Specht (oder einen Kreuzschnabel) als möglichen Verantwortlichen. Wie diese von Eichhörnchen bearbeiteten Zapfen unterschieden werden können, kann man in entsprechender Literatur nachlesen /1/. Also fügen wir der Liste Nahrungsreste (z.B. Reste von Beutetieren, Zapfen, angepickte Früchte, leere Samenhülsen, etc.) hinzu.

Unter den zurückgelassenen Nahrungsresten gibt es noch den besonderen Fall, wo Raubvögel andere Vögel als Beutetiere schlagen. Damit der Prädator an den eigentlichen Körper seiner Beute kommen kann, muss er dem erbeutenden Vogel erst einmal (teilweise) die störenden Federn rupfen. Diese nach Kissenschlacht aussehenden Funde nennt man daher auch Rupfungen.

Wenn wir beim Thema Nahrungserwerb bleiben, so fällt dem einen oder anderen vielleicht wieder ein, schon mal gehört zu haben, dass Raubvögel auch unverdauliche Reste ihrer Nahrung wieder auswürgen (z.B. Knochen, Haare, Federn). Sowas nennt man dann Gewölle. Aber auch andere räuberisch lebende Vögel, wie z.B. Bienenfresser, Würger, Möwen, Reiher und Eisvögel produzieren sogenannte Speiballen, die dann entsprechend ihrer Nahrung z.B. aus Chitinpanzern der Insekten, Mäusehaaren oder Fischgräten bestehen. Solche Gewölle können von Experten wissenschaftlich untersucht und auf Arten und Anteile der Beutetiere bestimmt werden. Die Auswertung solcher Untersuchungen kann demnach wertvolle Informationen zur Nahrungsökologie liefern. Doch um Gewölle zu finden, braucht es schon etwas Glück und ein geübtes Auge.
Nach dem Motto „Wo gehobelt wird, fallen Späne“ können Vögel bei der Nahrungssuche allerlei Pick-, Kratz- und Hackspuren hinterlassen. Spechte als DIE Zimmerer der Vogelwelt schlechthin lassen mitunter sehr auffällige Spuren zurück. Dies sind nicht nur ihre allgemein bekannten Bruthöhlen, sondern auch das bei der Nahrungssuche bearbeitete morsche Totholz sowie Holzspäne unter Stellen, wo besonders viel aufgehackt wurde. Aber auch von anderen Vogelarten können auf dem Boden, im Schlamm, im Ameisenhaufen, an Früchten oder wo auch immer Bearbeitungsspuren gefunden werden.


Auch wenn das schon eine annehmbare Liste ist, ist sie noch nicht zu Ende! Denn nun kommen die wirklich kniffligen Dinge.

Wo besonders viele Schalen, Zapfen oder ähnliche unverdauliche Nahrungsreste auf einem Haufen vorkommen, handelt es sich zumeist um Schmieden. Hier wird die Umgebung selbst beim Aufbrechen der Nahrung mit einbezogen. So nutzen z.B. Buntspechte Spalten in Baumrinden, um Zapfen darin einzuklemmen und so einfacher an die Samen zu kommen (Spechtschmiede genannt). Dasselbe macht auch der Kleiber mit Eicheln oder anderen kleineren Samen. Die Singdrossel wiederum nutzt Steine als Unterlage, um darauf Schneckengehäuse aufzuschlagen (hier Drosselschmiede genannt). Wenn eine Schmiede sehr wirksam ist, wird sie auch gerne wieder genutzt und es sammeln sich dann viele Reste darum bzw. darunter an.
Es gibt noch weitere, sehr spezifische Spuren, die von bestimmtem Verhalten und meistens damit auch bestimmten Vogelgruppen stammen. Hier muss man wirklich wissen, wonach man sucht. So gibt es zum Beispiel horizontale Reihen von Pickspuren in der Rinde, die von Spechten im Frühjahr erzeugt werden, um den austretenden Baumsaft und/oder die sich darin verfangenden Insekten aufzunehmen.


Ein weiteres Beispiel spezieller Zeichen sind Kuhlen in trockenen feinen Sanden. Diese wurden von darin „badenden“ Vögeln angelegt, um Gefiederpflege zu betreiben. Besonders gerne machen das Hühnervögel und Spatzen/Sperlinge (daher kommt die Bezeichnung Dreckspatz!). Diese Kuhlen werden Huderpfannen (Sandbad-Kuhlen) genannt.
Zuletzt sei noch ein wirklich unauffälliges und spezielles Zeichen genannt, dass in /1/ u. a. treffend als „Buchennest“ bezeichnet wird. Und zwar sind das sehr viele auf einen Haufen auskeimende Baumsprößlinge z.B. von Buchen oder Eichen. Sie entstehen, weil Eichelhäher und Krähen die Gewohnheit haben im Herbst Bucheckern oder Eicheln zu sammeln und dann in einem Versteck als Vorrat anzulegen. Da viel mehr gesammelt wird als später wieder gefunden wird, keimen im darauffolgenden Frühjahr diese Verstecke dann als „Nester“ aus.
Zusammenfassung
Diese doch recht beeindruckende Aufzählung der verschiedensten Spuren und Zeichen der Vögel, soll hier nun noch mal in Kurzform und in Kategorien sortiert aufgelistet bzw. zusammengefasst werden. Für die Kategorien habe ich dabei folgende mir am sinnvollsten erscheinende Einteilung gewählt:
- Direkt vom Vogel stammende Zeichen:
- Federn
- Kot
- Eierschalen
- Gewölle, Speiballen
- Rupfungen von Vögeln als Beutetier
- Direkt vom Vogel stammende Spuren (Spuren im engeren Sinne nach /1/):
- Abdrücke von Füßen, Flügeln, Schnabel oder des ganzen Körpers (in Schnee, Schlamm, Sand, an Glasscheiben von angeflogenen Vögeln)
- Indirekt vom Vogel hinterlassene Zeichen:
- Nester + Höhlen
- Nahrungsreste
- Pick- und Kratzspuren (z.B. an Bäumen, Früchten)
- Schmieden (z. B. Specht- oder Drosselschmieden)
- Huderpfannen
Rausgeh-Tipps
Vielleicht habt ihr ja angesichts der vielen Möglichkeiten an Spuren und Zeichen nun Lust bekommen, selbst mal fündig zu werden. Beim nächsten Spaziergang könnt ihr ja mal versuchen ohne Krampf die Augen danach offen zu halten. Es reicht manchmal einfach schon aus, zu wissen, welche Zeichen und Spuren es gibt, damit man diese in der Natur erkennen kann und nicht achtlos daran vorbeiläuft.
Hier mal ein paar Tipps, wo ihr am schnellsten fündig werdet und welche Spuren ihr dort so finden könnt:
- an sandigen bis schlammigen Seeufern, Meeresstrand oder Watt: Fußspuren, Kot, Federn
- im Garten: Früchte, Samen oder Blütenblätter mit Pickspuren, bei trockenen sandigen Brachflächen Sandbad-Kuhle (Huderpfanne) von Spatzen
- am Bach / kleinen Fluss: kleine weiße Kotspuren auf Steinen (direkt am Ufer oder die im Bachbett aus dem Wasser ragen)
- im Wald / am Waldrand: Spechthöhlen, diverse Pick- und Hackspuren von der Nahrungssuche (auf morsche/tote Bäume achten), aufgedrieselte Zapfen, wo die Samenschuppen, hinter denen sich die Samen verstecken, nicht(!) herausgerissen wurden (das macht nämlich das Eichhörnchen; auf Anhäufungen achten), Ameisenhaufen mit „Bohrlöchern“ (vom Grünspecht)
- an/unter Nistkästen / Schwalbennestern: Kotspuren, Nahrungsreste, zugekleisterte/verkleinerte Eingänge (z.B. durch Kleiber)
- im Winter: Nester in Bäumen und Büschen, Spechthöhlen in Bäumen, angepickte Früchte an Büschen oder auf Boden (vor allem Äpfel von Amseln)
- bei Schneedecke: Fußspuren, kleine aufgewühlte Stellen in der Schneedecke (z.B. von Krähen oder Hähern, die nach versteckten Eicheln o. Nüssen suchen)
- am Futterhäuschen: angeknapperte Samen- oder Schalenreste
Mit etwas Glück findet ihr auch:
- an lehmig-sandigen bis tonigen Steilwänden (z.B. an Gewässerrand, Kiesgrube, Geländeabbruch): gegrabene Bruthöhlen (von Uferschwalben, Eisvogel oder Bienenfressern)
- auf trockenen, sandigen Feldwegen: Huderpfannen (z.T. auch mit Federn, Fußabdrücken oder Scharrspuren)
- in Bergahorn- und Birkenbeständen: Ringelspuren von Spechten
- im Frühjahr: „Nester“ aus Baumsprößlingen (meist Eichen o. Buchen).
Funde behalten?
Wenn einen bestimmte Funde gefallen und man sich wünscht diese irgendwie zu behalten oder zu dokumentieren, dann bieten sich je nach Art der Spur bzw. des Zeichens verschiedene Arten der Dokumentation an. Aber grundsätzlich gilt aus hygienischen/gesundheitlichen Gründen liegenlassen bzw. nicht anfassen.
Da Federn die am meisten hinterlassenen und auch schönsten Zeichen der Vögel sind, kommt sicherlich der eine oder andere schnell in die Verlegenheit diese zu sammeln. Allerdings ist dabei zu beachten, dass das Besitzen von Federn bestimmter Arten in Deutschland verboten ist. Wie man mit Vogel-, Feder- und Ringfunden umgeht und welche rechtlichen Bestimmungen es gibt, habe ich in einer eigenen Wissensseite beschrieben.
Möchte man Federn, Nester, Gewölle oder anderes in Natura bei sich sammeln, dann sollte man darauf achten, dass man diese Naturmaterialien trocken, sauber und möglichst auch luftdicht lagert. Denn gerne fressen Milben und andere winzige Tierchen die organischen Überreste und hinterlassen dann unansehliche Reste und Staub.
Die sauberste (und rechtlich sicherste) Methode seine Funde zu dokumentieren sind Fotos. Dabei sollten unbedingt das Datum und der Fundort notiert werden und eindeutig zum Foto zuordenbar sein. Wer das ganze etwas professioneller betreiben möchte, sollte wenn möglich im Foto selbst – vor allem bei Nahaufnahmen – einen vertrauten Maßstab mit dazulegen (Euro-Münze, Lineal, Zollstock), um eine Größenzuordnung zu haben. Weitere sinnvolle Ergänzungen sind Artzugehörigkeit, Fundumstände (z.B. „am Straßenrand“, „unter Nistkasten“, „durchweicht in Pfütze“ etc.) und bei Federn Geschlecht und genaue Federposition (z.B. „männl., Schwanzfeder“).
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Nun wünsche ich euch viel Spaß und Erfolg beim Suchen und Finden!
Habt ihr Fragen zur Bestimmung einer eurer Entdeckungen oder wirklich etwas Besonderes gefunden? Dann könnt ihr euch gerne auch an mich wenden.
/1/ Bergmann, H.-H. & Klaus, S. (2016): Spuren und Zeichen der Vögel Mitteleuropas. – 288 S., Aula-Verlag GmbH, Wiebelsheim.
