Wie bestimmt man einen Vogel?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine bestimmte Vogelart nachzuweisen. Die sichersten Bestimmungen sind die, die direkt am Vogel selbst gemacht werden. Sei es optisch, also durch direkten Sichtkontakt oder akustisch, also durch gehörte Gesänge oder Rufe. Das sind auch die Bestimmungen, die in einschlägigen Portalen gemeldeten werden können, da die Beobachtung einem genauen Zeitpunkt zugeordnet werden kann.

Es gibt aber auch indirekte Zeugnisse und Spuren von Vögeln, die dann aber oft keiner genauen Art, sondern meistens nur einer bestimmten Gruppe von Vögeln zugeordnet werden können. Hinzu kommt, dass die Anwesenheit des Vogels oft keinem genauen Zeitpunkt sondern mehr einem Zeitraum zugeordnet werden kann.

Hier mal in Kürze die verschiedenen Bestimmungsarten und worauf man dabei achten sollte:

optisch

Diese Bestimmungsart betrifft alles, was man sehen kann. Also natürlich das Aussehen an sich, aber auch das Flugbild kann mitunter ausreichen, um bis auf die Art genau bestimmen zu können.

  • Aussehen:
    • Größe, Gestalt/Silhouette, Färbung
    • auf hervorstechende Federpartien/-färbungen insbesondere an Kopf und Flügeln achten (z.B. Schopf, Flügelbinden, Streifen, …)
    • auf Schnabel-(untergeordnet auch Fuß-)größe und -form achten
    • Schwanzform und -färbung inkl. evtl. Endbinde
    • untergeordnet können noch weitere Merkmale hinzugezogen werden: Färbung von Augen, Augenringen, Brust, Bauch, Bürzel, Ober- und Unterschwanzdecken, u.a..

Ganz vereinfacht für Einsteiger:
Achten auf Größe, Details an Kopf und Flügeln, Schnabelform sowie Farbauffälligkeiten

  • Flugbild:
    • Silhouette (zu beachten sind Länge und Form von Kopf, Hals, Flügel, Stoß)
    • Anzahl (einzeln o. in Scharen, Schare ungeordnet o. formiert)
    • Flug (gerade, wellig, rüttelnd, Flügelstellung/-bewegungen, …)

akustisch

Was dem Laien vielleicht nicht gleich bewusst ist, ist die Möglichkeit auch akustische Wahrnehmungen von Vögeln einer Art zuzordnen und damit den nur gehörten, aber nicht gesehenen Vogel zu bestimmen. Folgendes kann bei der Bestimmung helfen:

  • Unterscheidung von Gesang und Ruf
  • Beachten der Ausprägung: melodisch oder rhythmisch, abwechslungsreich oder monoton, hoch oder tief, lang oder kurz, abfallend/ansteigend oder gleichbleibend, Länge der Pausen, sonstige besondere Gesangs-/Ruf-Merkmale (z.B. trillern)
  • Zur Bestimmung nach Gehör gehört je nach Art mitunter jahrelange Übung
  • Bestimmung per Vogelstimmen-App: Aufnahmen sollten nicht zu leise und möglichst ohne Neben-/Störgeräusche sein. Hier wird auch meistens der Grad der Bestimmungssicherheit angegeben. Wenn die Einstufungen (je nach App) mit sicher, sehr sicher oder über 90 % bewertet wurde, dann kann man davon ausgehen, dass es auch diese Vogelart ist. Alles darunter sollte mit der entsprechenden Skepsis betrachtet werden.

indirekt

Es gibt noch eine dritte Art des Nachweises von Vogelgruppen oder -arten. Und zwar können Spuren und Zeichen, die die Vögel hinterlassen haben, mitunter artspezifisch bestimmt werden. Allerdings gibt es hierbei die Einschränkungen, dass zum einen nicht der genaue Zeitpunkt, wann der Vogel an dem bestimmten Ort gewesen war, festgemacht werden kann, und zum anderen können diese Spuren oft nur einer bestimmten Vogelgruppe zugeordnet werden. Das sind die häufigsten Spuren, die gefunden werden können:

  • Federn
  • Kot
  • Eierschalen
  • Gewölle, Speiballen
  • Rupfungen
  • Fußabdrücke
  • Nester + Höhlen

Was es mit den Spuren und Zeichen der Vögel auf sich hat sowie noch ein paar interessante Spuren mehr, könnt ihr in einer extra Wissensseite nachlesen!

Problematika

Bei der optischen Bestimmung gibt es so einige Hürden, die eine Bestimmung deutlich erschweren können und die man unbedingt mit im Hinterkopf haben sollte:

  • Lichtverhältnisse (Gegenlicht, Schatten, Zwielicht, Grauer Himmel, heller/dunkler Hintergrund)
  • Mauser (Mischung von Schlicht- und Prachtkleid)
  • Jungvogel/Jugendkleid

Um eine Vogelart sicher bestimmen zu können, kommen Ungeübte nicht um eine Bestimmungshilfe drum herum. Dazu können Vogelbestimmungsbücher und -Apps genutzt werden. Es gibt da ein reichliches Angebot auf dem Markt. Nicht nur Einsteiger benötigen sie, sondern auch Profis, da es immer wieder knifflige Problemfälle gibt oder das Expertenwissen sich nur auf bestimmte Vogelgruppen bezieht.

Das verwendete Nachschlagewerk sollte auf den Benutzer abgestimmt sein. Für ein Kind reicht ein dünnes kindgerechtes Grundwerk der wichtigsten europäischen Arten (je nach Alter ca. 50 -100 Arten). Wer nicht nur wissen will, welche Vögel durch seinen Garten huschen, und tatsächlich tieferes Interesse an der Avifauna hegt, sollte aber schon beizeiten umfangreichere Werken mit hinzuziehen, um die breite Palette der Arten kennen zu lernen.

Zuletzt sollte eine Prüfung erfolgen, bei der eingeschätzt wird, ob die bestimmte Art zu den vorherrschenden Bedingungen passt. Das kann nach oder bereits während der optischen bzw. akustischen Bestimmung geschehen. Folgende Faktoren sollten abgeglichen werden:

  • Vergleich des Standorts mit bevorzugtem Lebensraum der Vogelart
  • Vergleich der aktuellen Jahreszeit mit Zugverhalten der Vogelart
  • Vergleich des Standorts mit Verbreitungsgebiet der Vogelart

Wenn am Ende die Bestimmung trotzdem unklar bleibt:
Vogelkenner fragen, die freuen sich immer über ein kleines Vogelrätsel 😀