Best of 2025 – Teil 2, Ausblick 2026

Hier der zweite Teil weiterer schöner und ungewöhnlicher Beobachtungen aus 2025.

Nachtigall

Manchmal ist es schon erstaunlich, wie nah auch scheuere Vögel ihre Reviere zu menschlichen Siedlungen haben können. Man stelle sich am Rande von Dresden ein verhältnismäßig kleines Natur-Refugium von 200 x 400 m vor, dass an drei Seiten von Wohngebieten und einem großen Einkaufsviertel umgeben und noch durch eine Straße in zwei Hälften geteilt ist. Die eine Hälfte ist eine alte teils zugewachsene Tongrube und die andere Hälfte ein mit dichtem Gestrüpp zugewachsenes Areal. Und genau dieses „verwilderte“, gerade einmal 150 x 200 m messende Gebiet war ein Paradies für die Art von Vögeln, die gerne etwas heimlicher sein wollen, denen aber ein Wald nicht das passende Nahrungsspektrum oder genügend Versteckmöglichkeiten bietet. Und da solche Flächen mit dichtem Strauchwerk in unserem stark von Agrar- und Forstwirtschaft sowie urbanen Gebieten geprägtem Land selten sind (zumindest in Sachsen), nutzen diese Vögel jede Möglichkeit. So auch bei dieser Begebenheit Ende April am Rande von Dresden.

Hier versuchten sich an diesem wunderbar sonnigen Frühlingstag bei schon fast sommerlichen Temperaturen Mönchsgrasmücke, Dorngrasmücke, Heckenbraunelle, Fitis und andere Vögel in ihren Reviergesängen gegenseitig zu überbieten. Aber eine Stimme erregte besonders meine Aufmerksamkeit. Es war die abwechslungsreich und melodisch trällernde Nachtigall:

Gesang Nachtigall, Dresden-Prohlis, Ende April 2025

Doch das sollte nicht das einzige Mal gewesen sein, dass ich in dem Jahr auf die Nachtigall traf. Im Trauerschnäpper-Abschnitt im ersten Teil des Best-ofs erwähnte ich, dass ich sie im Mai bei Wilsdruff gehört hatte. Doch die beste Begegnung kam Anfang Juni, als ich nordöstlich von Wismar in Mecklenburg-Vorpommern war. Hier posaunten in der Nähe der Unterkunft in einem langen und breiten Heckengestrüpp mehrere Vogelarten gleichzeitig ihre Gesänge in die Umgebung. Allen voran die Nachtigall, der Gelbspötter und die Mönchsgrasmücke sowie mehr im Hintergrund die Dorngrasmücke und Amsel. Es war sehr schwierig die Gesänge einzeln aufzunehmen.

Hört einfach mal rein und versucht das vielfältige Repertoire der Nachtigall herauszuhören:

Gesang Nachtigall, zusammen mit Amsel, nordöstlich Wismar, Anfang Juni 2025
Gesang Nachtigall, nordöstlich Wismar, Anfang Juni 2025
Gesang Nachtigall, nordöstlich Wismar, Anfang Juni 2025
Gesang Nachtigall, zusammen mit Mönchsgrasmücke und Gelbspötter im Hintergrund, nordöstlich Wismar, Anfang Juni 2025

Karmingimpel

Anfang Juni an der Ostsee, hörte ich gleich beim Aussteigen auf einem Parkplatz in der Nähe von Kühlungsborn einen sehr interessanten und mir völlig unbekannten Gesang. Gespannt machte ich mich vorsichtig auf die Pirsch, um den Vogel nicht durch eine hastige Bewegung zu verschrecken. Es war anstrengend gegen den wolkenverhangenen Himmel zu schauen, wo jeder Vogel im Geäst viel dunkler erscheint und Farben schwerer auszumachen waren. Ich hatte bald den Baum identifiziert, wo die seltsamen aber angenehmen Laute herkamen. Doch der Vogel machte sich durch keine Bewegung bemerkbar. Ich musste also geduldig Ast für Ast absuchen. Zum Glück war der Baum relativ dünn belaubt. Und dann hatte ich ihn! Mit knallrotem Kopf und Brust sang er sein Lied.

Kurzer Gesang Karmingimpel, nahe Kühlungsborn, Anfang Juni 2025

Es war mein erster Karmingimpel überhaupt. Er entflog Richtung der vielen dichten Sträucher auf dem Deich. Beim Spaziergang auf dem Deichweg hörte und sah ich ihn dann wieder von einem exponierten Ast aus singen. Hier mal eine Gesangsprobe sowie der Vollständigkeit wegen auch noch die Rufe des Karmingimpels:

Gesang Karmingimpel, im Hintergrund sind noch Gartengrasmücke und vmtl. noch andere Singvögel zu hören, nahe Kühlungsborn, Anfang Juni 2025
Ruf Karmingimpel, nahe Kühlungsborn, Anfang Juni 2025

Die verwirrte App: Wendehals?

Dass die von einer Vogelstimmenerkennungs-App vorgeschlagenen Arten mit Vorsicht zu genießen sind, zeigte mir folgender Vorfall. Es war Mitte Juni und ich werkelte im Garten. Irgendwann vernahm ich einen interessanten Gesang in der Ferne. Meine Vogelapp war etwas unschlüssig und sagte öfters mal Gartenrotschwanz oder etwas anderes. Aber die Krönung war die angebliche Identifizierung eines schlechten Gesangsschnipsels mit Störgeräuschen als Wendehals mit einer Einstufung als „wahrscheinlich“. Hört mal rein:

Kurzer Gesangsabschnitt mit Störgeräuschen, Gartenrotschwanz, nordöstlich Freiberg, Mitte Juni 2025

Dass das kein seltener Wendehals sein konnte, nachdem die App mir vorher schon mehrmals Gartenrotschwanz vorgeschlagen hatte, war mir völlig klar. Als der Vogel näher kam und der Gesang klarer wurde, stufte die App ihn dann auch sicherer als Gartenrotschwanz ein.

Fazit: Man sollte die Bestimmungen von Vogelstimmenerkennungsapps immer nur als Vorschlag betrachten und mit den eigenen oder den Erfahrungen anderer gegenchecken. Wirklich nur die als „sicher“ oder „sehr sicher“ bzw. mit über 90% Wahrscheinlichkeit eingestuften Bestimmungen könnten mit großer Wahrscheinlichkeit auch diese Arten sein.

Gesang Gartenrotschwanz, nordöstlich Freiberg, Mitte Juni 2025

Fazit: Man sollte die Bestimmungen von Vogelstimmenerkennungsapps immer nur als Vorschlag betrachten und mit den eigenen oder den Erfahrungen anderer gegenchecken. Wirklich nur die als „sicher“ oder „sehr sicher“ bzw. mit über 90% Wahrscheinlichkeit eingestuften Bestimmungen könnten mit großer Wahrscheinlichkeit auch diese Arten sein.

Sturmmöwen-Kolonie

Hafenstädte haben die tolle Eigenschaft, dass man hier Möwen unheimlich gut und nah beobachten kann. Nicht nur, weil sie so nah kommen können, dass sie einem das Fischbrötchen unter der Nase wegschnappen, sondern auch weil man schöne Aufzuchtstudien betreiben kann, wo für ausreichend Nistplätze für die Koloniebrüter gesorgt wird. Es war Anfang Juni, als ich dort war, zwar echt „Schiet“-Wetter in Wismar, aber der Ausflug an die Spitze des Alten Hafens hat sich gelohnt. Nicht nur, dass ich einen Brutplatz dieser Vögel sehen konnte, sondern auch weil ein noch schön flauschiges Küken in relativer Nähe rumspazierte:

Für die Unterscheidung der Sturmmöwe zu der omnipräsenten Silbermöwe ist vor allem der kleinere und schmalere Schnabel ohne roten Fleck, die gelblichen Beine sowie die dunkle Iris wichtig. Zudem ist die Sturmmöwe deutlich kleiner und wirkt graziler als die Silbermöwe.

Seidenreiher

Es ist immer eine gute Idee in Gegenden zu fahren, wo man vorher noch nie gewesen war. Vor allem als Vogelfreund erhöht sich dadurch die Chance deutlich, neue Vogelarten auf die ganz persönliche Artenliste zu bekommen.

So ergab es sich, dass ich Mitte Juli beim Urlaub im Naturpark Altmühl im mittleren Bayern natürlich auch eine Vogelbeobachtungsrunde am Altmühlsee gemacht habe. Hier ist die Anlage eines Gebietes aus vielen kleinen Inseln im Nordwestteil des Sees zu einem Naturschutzgebiet erklärt wurden und mit einem schönen Vogelbeobachtungsrundweg und Aussichtsturm mit hervorragendem Blick in dieses von etlichen Vogelarten genutzten Feucht- und Flachwassergebiet ausgebaut. Für Vogelfreunde ist das ein Must-Have als Ausflugsziel, wenn man in der Fränkischen Alb unterwegs ist. Mehr Infos dazu gibt es zum Beispiel hier bei der LBV, einem großen Verein für Vogel- und Naturschutz in Bayern.

Es war jedenfalls ein tolles Erlebnis all die vielen verschiedenen Vogelarten zu beobachten, allen voran jede Menge Graugänse, ein paar Kanadagänse, Silberreiher, Teichhühner, Kiebitze aber auch ausgefallenere Arten wie Rostgänse. Doch das absolute Highlight meiner Zeit dort, war die Sichtung der seltenen Seidenreiher. Da schlägt das Ornithologenherz wirklich höher.

Seidenreiher sehen im Prinzip genauso weiß aus wie der viel häufigere Silberreiher und sind für den ungeübten Betrachter schnell mit diesen zu verwechseln. Markant sind aber der schwarze Schnabel und die gelben Füße (wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekommt), welche beim Silberreiher farblich genau umgekehrt sind. Außerdem ist der Seidenreiher gerade einmal halb so groß wie der Silberreiher. Das könnt ihr in der folgenden mehr schlechten als rechten Aufnahme sehen (hatte leider nur das Smartphone zur Hand):

Mönchsgrasmücke mit „Sprachfehler“

Als letztes möchte ich noch eine kleine Sonderbarkeit vorstellen. Die Vogelgesänge sind immer einem arteigenen Muster unterlegt. Zuweilen können regionale „Dialekte“ auftreten, also z.B. dass eine Kohlmeise in Sachsen ein wenig anders klingt als eine an der Nordsee oder in Italien.

Aber dass komplett neue Muster in einem Gesang auftauchen, ist eher unüblich. So hat sich eine Mönchsgrasmücke bei uns hinterm Haus Mitte Juni zu Beginn ihres Ständchens eine wirklich kuriose Gesangseinlage ausgedacht. Als erstes zeige ich euch wie sich eine normale Mönchsgrasmücke anhört: melodisch, abwechslungsreich, anfangs eher schwatzend und zum Ende hin flötend:

Gesang Mönchsgradmücke normal, Freiberg, Mitte Juli 2025

Da Vögel keine Maschinen sind, können sie ihren Gesang aber durchaus etwas variieren oder verkürzen, vor allem gegen Ende der Brutsaison. Der erste Teil des Gesangs der Mönchsgrasmücke mit dem „Sprachfehler“ hörte sich aber vollkommen anders an, überhaupt nicht schwatzend sondern irgendwie monoton trötend. Hört einfach mal rein:

Gesang Mönchsgrasmücke mit „Sprachfehler“, Freiberg, Mitte Juli 2025
Gesang Mönchsgrasmücke mit „Sprachfehler“, Freiberg, Mitte Juli 2025

Ausblick 2026

Im letzten Beitrag schrieb ich, dass meine Blogbeiträge leider nicht so häufig erfolgt sind, wie ich es mir gewünscht hatte. Dazu kann ich nur sagen, aus Erfahrung lernt man, oder? Daher werde ich jetzt nicht behaupten, dass ich mir für 2026 vornehme, häufigere Beiträge zu posten, auch wenn ich das gerne machen würde, ernsthaft! Das produziert nur Enttäuschungen, wo Erwartungen später nicht erfüllt werden können. Daher lasst euch einfach überraschen, was kommt.

Was ich aber sagen kann, ist, dass ich mir eine Stil-Anpassung der Seite und neue Features vornehmen werde. Das wird quasi eine Mauser der silberamsel 😉. Vermutlich nicht alles mit einmal, sondern eher schrittweise, so wie bei einer richtigen Mauser auch. Mal sehen, ob ich das bis zum Ende des Winters schaffe. Hoffen wir, dass es ein schneereicher und kalter Winter wird… Da bleibt mehr Zeit vorm Rechner 😜

Außerdem könnt ihr auf neue Bilder in der Galerie gespannt sein, wo mal ein paar Exoten aus Übersee präsentiert werden sollen.

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Die Silberamsel wünscht allen ein schönes und gesundes neues Jahr 2026 mit vielen tollen Vogelbeobachtungen!