Best of 2025 – Teil 1

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Mensch tendiert dann immer dazu das laufende Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen und zu bewerten. Spätestens sobald sich das ganze Weihnachtsgetue gelegt hat und man sich mit Silvester-Vorbereitungen gedanklich vom Jahr verabschiedet.

Das Jahr 2025 war für die Seite silberamsel.de ein Besonderes, da es das „Schlupfjahr“ war. Bereits vor der Veröffentlichung der Seite im April ist das „Küken im Ei“ herangereift, heißt, ich habe bereits vier Erlebnisberichte verfasst. Nach dem „Schlupf“ ging es im Durchschnitt mit einem Beitrag im Monat weiter. Die meisten Begebenheiten stammten dabei aus diesem Jahr. Doch ich muss gestehen, dass meine Blogbeiträge leider nicht so häufig erfolgt waren, wie ich es mir gewünscht hatte. Nichtsdestotrotz habe ich besonderen Beobachtungen eine eigene Seite gewidmet und mein Augenmerk auf bestimmte Aspekte dieser Begegnungen gelenkt. Sicherlich waren all diese Momente jede auf ihre Weise ein wahrhaft unvergleichliches Erlebnis. Da denke ich zum Beispiel an das zum Greifen nahe Wintergoldhähnchen mit den knuffigen schwarzen Augen, oder die Unmengen an Meeresenten, die einen einzigartigen Klangteppich auf der Ostsee verbreitet hatten, die lustige Anekdote mit der schwerfälligen Ringeltaube, das beeindruckende Verhalten eines Sandregenpfeifers, was ich im Jahr zuvor beobachtet hatte, oder den riesigen Starenschwarm.

Doch das waren bestimmt nicht ausschließlich die besten Beobachtungen von diesem (und letztem) Jahr. Daher präsentiere ich euch hier in Kurzform ein paar weitere tolle Momente, die ich in den letzten 12 Monaten erlebt habe. Gerne hätte ich ihnen einen eigenen Artikel gewidmet. Aber oft ist es gar nicht so einfach einen ausreichend interessanten Beitrag zu verfassen. Was dann umso schwieriger wird, wenn man von der Begegnung keine Bilder hat. Wenn ihr also zu den folgenden Kurzbeiträgen wissen wollt, wie die gefiederten Freunde aussehen, müsstet ihr diese Arten einfach mal selbst in Bestimmungsbüchern oder den bekannten einschlägigen Enzyklopedien nachschauen.

Weitere wunderbare Beobachtungen 2025:

Gimpel

Von Gimpeln hört man meistens nur die kurzen weichen Rufe, die aus den hohen Wipfeln der Baumkronen kommen. Im März 2025 habe ich allerdings bei einer Vogelbeobachtungsrunde im Tharandter Wald tatsächlich ein Gimpel-Männchen singen hören. Und das ist etwas, was man im Frühjahr, wenn auch andere Vögel ihre Liedchen zu trällern anfangen, eher schwerer zu hören bekommt. Er ist nämlich nicht allzu laut, aber dafür schön wohlklingend und geschmeidig. Hier mal Ruf und Gesang des Gimpels als Hörprobe:

Ruf eines Gimpels, Dippoldiswalder Heide südwestlich Dresden, April 2025
Gesang eines Gimpels, Tharandter Wald, März 2025

Da der Gesang dieses freilebenden Gimpels durch Hintergrundgeräusche nicht ganz so schön herauskommt, habe ich mal ein Video eines in einem Tierpark lebenden, singenden männlichen Gimpels beigefügt. Hier kommt viel besser heraus, dass er einen der schönsten Gesänge unserer heimischen Vogelwelt hat, aber leider auf Grund seiner Zartheit wohl nur selten in dieser Klarheit im Freien zu hören sein wird.

Gesang eines Gimpels, Tiergarten Höckendorf südlich Tharandt, März 2024

Waldlaubsänger

Einen selteneren gefiederten Waldfreund habe ich Anfang Mai im Tharandter Wald beim Durchstreifen eines Trampelpfades entlang des Waldrandes gehört. Das Unterholz war hier auf Grund hoher, dichter Laubbäume fast nicht vorhanden und das freie Walduntergeschoss bildete so einen hervorragenden Resonanzkörper. Nur in der Ferne habe ich andere Waldvögel gehört. Der Waldlaubsänger nutzte diese Einsamkeit und posaunte hier seinen einzigartigen, durchdringenden und weittragenden Gesang heraus. Es war das erste Mal, dass ich diese Art in solch einer Gänze vollkommen ungestört von Mensch und Tier gehört habe. Während die Sonne auf die zartgrünen Blätter der Buchen schien und ein angenehm warmes und hellgrünes Licht unter den Bäumen erzeugte, setzte ich mich auf einen Baumstumpf und lauschte dem Vogel in diesem wunderschönen, perfekten Moment zu.

Der Gesang eines Waldlaubsängers ist ein hochfrequentes, sich beschleunigendes Trillern, das mit langen Pausen vorgetragen wird, Tharandter Wald, Mai 2025
Dies ist ein völlig anders gearteter, weniger häufiger Teil des Gesangs eines Waldlaubsängers, der gelegentlich zwischen den typischen Trillern eingeschaltet wird, Tharandter Wald, Mai 2025

Trauerschnäpper

Mitte Mai spazierte ich in einem kleinen, schmalen Waldabschnitt westlich von Wilsdruff bei Dresden. Es war vollste Brutzeit und in diesem wirklich sehr schmalen Baumbestand, war eine bemerkenswerte Fülle an Vogelgesang zu hören. Hier herrschte der Inbegriff von Frühling. Meine Vogelstimmenerkennungsapp war hoffnungslos überfordert mit den vielen Stimmen und erkannte nur die Hälfte, wenn sie zeitgleich erklangen. Hört mal in folgende Aufnahme, vielleicht könnt ihr den einen oder anderen Vogel raushören, den ich in der Dateiunterschrift aufgelistet habe:

Eine Fülle an Vogelgesängen: zu Anfang und zum Ende ist der Trauerschnäpper zu hören, im Hintergrund Blaumeise, Mönchsgrasmücke, Gartenrotschwanz und Zilpzalp, bei Wilsdruff/nahe Dresden, Mai 2025

Es war echt schwierig, den Gesang eines einzelnen Vogels so aufzunehmen, dass keine anderen Vogelgesänge störten. Daher habe ich nur diese Einzelaufnahme des Trauerschnäppers mit Störgeräuschen:

Gesang des Trauerschnäppers, bei Wilsdruff/nahe Dresden, Mai 2025

Selbst die Nachtigall war mal in einem etwas ruhigeren Abschnitt zu hören, denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung singt sie nicht nur Nachts sondern beginnt bereits schon Nachmittags ihren angenehmen und melodischen Gesang. Aber zur Nachtigall kommt im zweiten Teil des Best-ofs ein extra Kurzbeitrag mit noch meeehr Aufnahmen!

Gesang der Nachtigall, bei Wilsdruff/nahe Dresden, Mai 2025

Singendes Bluthänfling-Weibchen

Es ist weithin bekannt, dass die männlichen Singvögel ihren Gesang vortragen, um Weibchen anzulocken. Was aber weniger verbreitet und auch bekannt ist, ist, dass auch weibliche Individuen singen können. Da habe ich Mitte Mai in meinem Kleingarten nordöstlich von Freiberg nicht schlecht gestaunt, als ich gut sichtbar auf einem kleinen Apfelbaum auf dem Nachbargrundstück einen Bluthänfling singen gesehen und gehört habe, der aber keinerlei typische rote Färbung auf Brust und Stirn zeigte. Meine Vogelstimmenerkennungsapp erkannte aber mit sehr sicherer Einstufung einen Bluthänfling. Ich recherchierte nach und fand die Bestätigung, es gibt auch weibliche Bluthänflinge, die singen /1/.

Gesang eines Bluthänfling-Weibchens, nordöstlich von Freiberg, Mitte Mai 2025
/1/ Bauer, H.-G., Bezzel, E., Fiedler, W. (2012): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, ein umfassendes Handbuch zu Biologie, Gefährdung und Schutz. – Sonderausgabe in einem Band, 808 + 622 S., AULA-Verlag, Wiebelsheim.

Mein Jahr des Gelbspötters

Der Vogelzug im Frühjahr oder Herbst kann für schöne und überraschende Beobachtungsmomente sorgen. Besonders, wenn Vogelarten, die im Norden ihre Brutgebiete und im Süden ihre Winterquartiere haben, Gegenden durchstreifen, wo sie nur selten hinkommen oder sich nur sehr kurz aufhalten. So war ich etwas verblüfft, als ich gegen Ende Mai beim Mittagessen auf dem Balkon ein unfassbar ausdauerndes Gezwitscher vernahm, das ich hier vorher noch nie gehört hatte:

Gesang Gelbspötter, Freiberg, 20. Mai 2025

Ich war damit nicht vertraut und befragte die Vogelstimmenerkennungsapp (BirdNET). Sie sagte eindeutig Gelbspötter. Besonders herausstechend waren die an eine quietschende Badeente oder Kindertröte erinnerten Lauten, die dazwischen eingewebt waren. Außerdem ist diese Art dafür bekannt Rufe und Gesänge verschiedener Vögel nachzuahmen bzw. in ihren Gesang mit einzuflechten.

Da die Birken, in denen dieser Vogel saß, nicht so dicht belaubt waren, hatte ich den Verursacher relativ schnell ausgemacht und seine hellgelbe Bauchunterseite leuchtete mir entgegen. Und da es schönstes Sonnenwetter war, zückte ich meine Kamera und machte diese herrlichen Schnappschüsse:

Einen ganzen Tag lang konnte man diesen Gesang vernehmen, aber am nächsten Tag war dieser Vogel wieder fort. Doch da ich den sehr abwechslungsreichen und mit knietsch-Lauten versetzten Gesang ausgiebig studiert hatte, war es mir nun ein leichtes ihn auch später im Jahr wieder zu erkennen. So z. B. Anfang Juni, als ich an der Ostsee war:

Gesang Gelbspötter, nach ersten Drittel zusammen mit Mönchsgrasmücke zu hören, nordöstlich Wismar, Anfang Juni 2025

Besonders knifflig war es dann Anfang Juli in Bayern. Es waren sehr kurze und leise Abschnitte. Das war der Punkt an dem meine Vogelapp versagte, und die Stimme einfach nicht erkennen konnte. Sie schlug mir alle möglichen Vögel vor, eine unsicherer oder unwahrscheinlicher als die andere (ich glaube Turmfalke war auch dabei), aber keinen Gelbspötter. Ich war mir aber relativ sicher mit meiner Bestimmung und meldete auch diese Beobachtung auf ornitho.de, wo ich als Melder registriert bin. Nachdem auf meine Bitte hin, diese Beobachtung von Fachexperten als Gelbspötter bestätigt wurde, konnte ich wieder beruhigt schlafen. Denn ich hatte mich wirklich nicht getäuscht gehabt, als ich glaubte zu hören, wie dieser Vogel eine Blaumeise, die in dem Gezweig rumpiepste, mit etwas tieferer Frequenz „nachäffte“.

Pirol

Der Gesang des Pirols ist unvergleichlich schön und angenehm flötend. Er rangiert sehr weit oben auf der Liste meiner Lieblingsvögel. Wenn ich Glück hatte, konnte ich ihn an meinem Arbeitsplatz einige Male im Jahr in der Ferne hören. 2024 war aber ein Jahr, das nicht nur ausgesprochen nervenaufreibend für mich war, sondern wo auch noch der Pirol stumm blieb. Das gesamte Jahr 2024 über hörte ich keinen einzigen Pirol, auch nicht anderswo.

Und nun versucht für einen Moment in euch zu gehen und euch in folgende Frage hineinzudenken:

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr monate- oder gar jahrelang auf etwas Geliebtes sehnsüchtig wartet, ihr eigentlich schon dabei seid, aufzugeben, es jemals wieder zu hören oder zu sehen, und dann in einem unerwarteten Moment plötzlich dem schon fast für unmöglich gehaltenem gegenübersteht?

Wenn ja, dann könnt ihr vielleicht in etwa erahnen, wie es mir Ende Mai 2025 nach fast zwei Jahren ergangen ist, als ich auf einer Vogelbeobachtungsrunde plötzlich und unerwartet in einem kleinen Wäldchen irgendwo im Nirgendwo den Pirolgesang vernahm. Es war ein unbeschreibliches und überwältigendes Gefühl.

Aber obwohl ich bestimmt eine halbe Stunde lang voller Geduld konzertiert ins grüne Blätterdach schaute und mir das Genick irgendwann anfing zu schmerzen, habe ich leider keinen Blick auf ihn erhaschen können. Er war bzw. sie waren (es waren mehrere) einfach zu gut getarnt oder versteckt. Doch dem Gesang zu lauschen, entschädigte für alles:

Gesang Pirol, im Hintergrund noch Amsel, Kohlmeise und weitere Vögel, das zweimalige Krächzen ungefähr in der Mitte stammt ebenfalls vom Pirol, bei Wilsdruff westlich von Dresden, Ende Mai 2025
Gesang und krächzende Rufe des Pirol, bei Wilsdruff westlich von Dresden, Ende Mai 2025
Gesang Pirol, bei Wilsdruff westlich von Dresden, Ende Mai 2025

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